Ernährungsmythen bei Rheuma aufgedeckt

Rheuma und Osteoporose stellen chronische Erkrankungen dar, die das Leben vieler Menschen stark beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung kann einen bedeutenden Beitrag zur Linderung der Symptome und zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen leisten. Allerdings kursieren viele Mythen rund um die Ernährung bei diesen Erkrankungen, die oft mehr Verwirrung als Klarheit schaffen. In diesem Artikel werden einige der häufigsten Mythen aufgeklärt und Fakten präsentiert, die auf neuesten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Mythos 1: „Milchprodukte verschlimmern rheumatische Beschwerden“

Fakt: Milchprodukte stehen oft im Verdacht, entzündliche Prozesse im Körper zu fördern und somit Rheumasymptome zu verstärken. Tatsächlich stellen Milchprodukte jedoch wichtige Kalziumlieferanten dar, die für die Knochengesundheit unerlässlich sind. Des Weiteren sind sie hochwertige Eiweißlieferanten, die den Muskelerhalt unterstützen. Studien zeigen auf, dass moderate Mengen an von Natur aus fettarmen Milchprodukten (Buttermilch, Joghurt, Kefir, etc.) in der Regel keine Entzündungen fördern und für Rheumatiker:innen wertvolle Nahrungsmittel darstellen. Für Menschen mit Laktoseintoleranz oder einer Milchallergie gibt es zudem viele kalziumreiche Alternativen angereicherte Pflanzendrinks oder -produkte (z.B.: angereicherter Sojadrink).

Mythos 2: „Tomaten und Nachtschattengewächse sollten vermieden werden“

Fakt: Nachtschattengewächse wie Erdäpfel, Tomaten, Paprika und Melanzani enthalten Solanin, ein natürlicher Schutzstoff von Pflanzen, der in hohen Mengen giftig sein kann. Häufig wird behauptet, dass diese Pflanzen Entzündungen bei Rheuma fördern würden. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise, die diesen Zusammenhang bestätigen. Im Gegenteil, Nachtschattengewächse sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien, die zur allgemeinen Gesundheit beitragen können.

Mythos 3: „Alle Fette sind schlecht für Rheuma“

Fakt: Fette haben einen schlechten Ruf, aber nicht alle Fette sind gleich. Transfette und gesättigte Fettsäuren können Entzündungen fördern. Bestimmte ungesättigte Fette wie Omega-3-Fettsäuren wirken jedoch entzündungshemmend. Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Fisch (z.B. Lachs und Makrele), Lein- und Chiasamen oder beispielsweise auch Walnüssen vorkommen, können unterstützen, die Symptome von Rheuma zu lindern. Es ist daher wichtig, zwischen ungünstigen und günstigen Fetten und Ölen zu differenzieren und Letztere sogar vermehrt in den Speiseplan zu integrieren.

Mythos 4: „Eine vegane Ernährung ist die beste Wahl für Rheumatiker:innen“

Fakt: Eine vegane Ernährung kann viele gesundheitliche Vorteile bieten und entzündungshemmend wirken. Trotzdem stellt sie ist nicht die einzige Lösung für Menschen mit Rheuma dar. Entscheidend ist, dass die Ernährungsweise ausgewogen und nährstoffreich sowie deren Umsetzung alltagstauglich ist. Eine Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, günstigen Fetten und mageren Proteinen ist, kann ebenfalls sehr vorteilhaft sein. Veganismus erfordert sorgfältige Planung, um sicherzustellen, dass alle essenziellen Nährstoffe, insbesondere Vitamin B12, Eisen, Kalzium und Omega-3-Fettsäuren, in ausreichender Menge aufgenommen werden. Hierbei gilt es zudem individuelle Geschmackspräferenzen und Diagnosen zu beachten und angepasste Ernährungsstrategien zu entwickeln.

Mythos 5: „Gluten sollte bei Rheuma vermieden werden“

Fakt: Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Annahme, dass Gluten bei allen Rheumabetroffenen vermieden werden sollte. Menschen mit einer Zöliakie (Autoimmunerkrankung, bei der Gluten den Dünndarm schädigt) müssen strikt auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten. Bei Rheumapatient:innen ohne Zöliakie kann eine glutenfreie Diät subjektiv manchmal zu einer Besserung der Symptome führen, jedoch fehlt es an umfangreichen wissenschaftlichen Beweisen, die diesen Effekt bestätigen. Eine glutenfreie Ernährung ohne medizinische Notwendigkeit kann zudem zu Nährstoffmängeln führen und wird mit einer geringeren Ballaststoffzufuhr assoziiert. Es ist ratsam, individuelle Unverträglichkeiten medizinisch zu testen und sich von Ernährungsexpert:innen beraten zu lassen.

Fazit

Ernährungsmythen können leicht zu Missverständnissen und unnötigen Einschränkungen führen. Es ist wichtig, wissenschaftlich fundierte Informationen zu nutzen, um die beste Ernährungsstrategie für das individuelle Management von Rheuma zu entwickeln. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an entzündungshemmenden Stoffen und wichtigen Mikronährstoffen ist, kann einen erheblichen positiven Einfluss auf die Lebensqualität und Gesundheit der Betroffenen haben. Bei Fragen rund um das Thema Ernährung bei Rheuma wird empfohlen, sich an Diätolog:innen zu wenden.

Literaturverzeichnis

1.  Daien C, Czernichow S, Letarouilly JG, Nguyen Y, Sanchez P, Sigaux J, u. a. Dietary recommendations of the French Society for Rheumatology for patients with chronic inflammatory rheumatic diseases. Joint Bone Spine. März 2022;89(2):105319.

2.  Dourado E, Ferro M, Guerreiro CS, Fonseca JE. Diet as a Modulator of Intestinal Microbiota in Rheumatoid Arthritis. Nutrients [Internet]. November 2020 [zitiert 22. Mai 2024];12(11). Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7696404/

3.  Philippou E, Petersson SD, Rodomar C, Nikiphorou E. Rheumatoid arthritis and dietary interventions: systematic review of clinical trials. Nutr Rev. 9. März 2021;79(4):410–28.

4.  Nightshade vegetables and inflammation: Do they affect arthritis? [Internet]. [zitiert 22. Mai 2024]. Verfügbar unter: https://www.medicalnewstoday.com/articles/321745#nightshade-allergy

Eva-Maria Polz, BSc. MA. – Diätologin

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.